Palökologie

Veranstalter: Michal Kucera

Inhalt:

Die Palökologie als eine stark aktuopaläontologisch ausgerichtete Wissenschaft beschäftigt sich mit der Rekonstruktion der Lebensweise und Umwelt fossiler Tiere und Pflanzen, d.h. den Wechselbeziehungen der fossilen Organismen untereinander und zu den äußeren abiotischen Faktoren ihrer Paläoumwelt. Mit Hilfe der Aktuopaläontologie wird versucht, geologische und paläontologische Befunde mit Hilfe von Beobachtungen heutiger Gegebenheiten und Prozesse zu bewerten und zu deuten („Gegenwart als Schlüssel zur Vergangenheit“). Einschränkend ist jedoch zu beachten, dass es in der Erdgeschichte offenbar auch Prozesse gegeben hat, für die wir rezent kein entsprechendes Analogon kennen (z.B. Aussterbeereignisse; „Vergangenheit als Schlüssel zum Verständnis der Gegenwart“?).
Die Grenzen palökologischer Untersuchungen liegen in den Rekonstruktionsmöglichkeiten der funktionellen Morphologien fossiler Überlieferungen (Funktionsmorphologie) und dem selektiven Überlieferungspotenzial ehemaliger Organismen-Vergesellschaftungen ("Biozönosen"). Mit Letzterem beschäftigt sich die Fossilisationslehre (Taphonomie), in der Prozesse untersucht werden, die nach dem Absterben auf einen Organismenrest einwirken und über den Grad der Fossilerhaltung bzw. seiner Zerstörung entscheiden.
Eine wesentliche Rolle bei der Interpretation ehemaliger Lebensräume spielen auch Grundkenntnisse über Spurenfossilien (Ichnologie). Ichnofossilien werden als makroskopisch sichtbare Formen (Handstücke) bis hin zu mikroskopischen Formen (Licht- und Rasterelektronenmikroskopie) vorgestellt.
An Beispielen berühmter phanerozoischer Fossillagerstätten wird darüber hinaus verdeutlicht, dass die Palökologie neben der Rekonstruktion ehemaliger Lebensräume auch einen Beitrag zum Verständnis der Evolution liefert.



Kompetenzen:

Die Studierenden können die Möglichkeiten und Grenzen von Fossilisationsprozessen zur Einschätzung des Potenzials fossiler Überlieferungen bewerten. Darauf aufbauend können sie komplexere Zusammenhänge zwischen den ökologischen Ansprüchen ehemaliger Organismen und den abiotischen Gegebenheiten ihrer Paläoumwelt skizzieren.

Bewertung:

Die Lehrinhalte der Veranstaltung werden in einer Klausur am Ende des Semesters abgeprüft.


Prüfungsform:

Klausur

Literatur:

Brenchley, P.J. & Harper, D.A.T. 1998. Palaeoecology: Ecosystems, environments and evolution. Chapman & Hall.
Etter, W. 1994. Palökologie. Eine methodische Einführung. Birkhäuser Verlag.
Selden, P.A. & Nudds, J.R. 2004. Evolution of Fossil Ecosystems. Manson Publishing.
Ziegler, B. 2008. Paläontologie: Vom Leben in der Vorzeit. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung.
Weiterführende Publikationen und aktuelle Internet- Quellen werden im Laufe des Kurses mitgeteilt.


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