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    2021-10-12
    Autor/in: Prof. Dr. Tilo von Dobeneck

    Spuren am Strand: Eine von über 50 Fußspuren früher Menschenvorläufer, welche 2017 bei Trachilos auf Kreta beschrieben wurde. Ihr Alter wurde nun auf über sechs Millionen Jahre vor heute datiert. Foto: Per Ahlberg, Uppsala

    Älteste Fußspuren von Vormenschen auf Kreta datiert

    unter Beteiligung des Bremer Paläomagnetikers Edoardo Dallanave

    Die Fußspuren aus versteinerten Strandsedimenten wurden 2017 bei Trachilos bekannt. Mit geophysikalischen und mikropaläontologischen Methoden konnten sie nun auf 6,05 Millionen Jahren vor heute datiert werden und sind somit der älteste direkte Hinweis auf einen menschenähnlichen Lauffuß. Die Spuren sind damit nahezu 2,5 Millionen Jahre älter als die Australopithecus afarensis (Lucy) zugeschriebenen Laufspuren aus Laetoli in Tansania. Die Abdrücke kommen damit auf dasselbe Alter wie die Fossilien des bereits bekannten aufrecht gehenden Orrorin tugenensis aus Kenia.

    Die heutige Insel Kreta war vor sechs Millionen Jahren noch mit dem griechischen Festland über die Peloponnes verbunden. Nach Ansicht von Professor Madelaine Böhme ist es nicht ausgeschlossen, dass der Erzeuger der Spuren im Zusammenhang steht mit dem möglichen Vormenschen Graecopithecus freybergi. Fossilien des Graecopithicus aus 7,2 Millionen Jahre alten Ablagerungen im nur 250 Kilometer entfernten Athen hatte Böhmes Team vor wenigen Jahren als eine vorher unbekannte Vormenschenart im heutigen Europa identifiziert.

    Weitere Ergebnisse der Studie bestätigen zudem jüngste Forschungen und Thesen des Teams Böhme, nach denen vor sechs Millionen Jahren das europäische und vorderasiatische Festland durch eine kurzfristige Sahara-Ausbreitung vom feuchten Ostafrika getrennt waren. So lässt die geochemische Analyse der sechs Millionen Jahre alten Strandablagerungen Kretas darauf schließen, dass Wüstenstaub aus Nordafrika mit dem Wind dorthin transportiert wurde. Das Team kam bei der Datierung von Mineralkörnern in Staubkorngröße auf ein Alter zwischen 500 und 900 Millionen Jahren vor heute. Diese Zeiträume seien typisch für nordafrikanischen Wüstenstaub, so die Autoren.

    Neueste Forschungen der Paläoanthropologie legten zudem nahe, dass der afrikanische Menschenaffe Sahelanthropus als Zweibeiner ausgeschlossen werden könne und der aus Kenia stammende, 6,1 bis 5,8 Millionen Jahre alte Orrorin tugenensis der älteste Vormensch Afrikas sei, so Böhme. Kurzzeitige Wüstenbildungen und die geographische Verbreitung früher Menschenvorläufer könnten daher in einem engeren Zusammenhang stehen als bisher vermutet wird: Einerseits könnte eine Wüstenbildungsphase vor 6,25 Millionen Jahren in Mesopotamien eine Migration europäischer Säugetiere und möglicherweise Menschenaffen nach Afrika initiiert haben. Andererseits könnte die zweitweise Abriegelung der Kontinente durch die Sahara vor 6 Millionen Jahren eine getrennte Entwicklung des afrikanischen Vormenschen Orrorin tugenensis und eines europäischen Vormenschen ermöglicht haben. Nach diesem von Böhme ´Wüstenschaukel´ genannten Prinzip, steuerten aufeinanderfolgende kurzfristige Wüstenbildungen in Mesopotamien und der Sahara eine Migration von Säugetieren von Eurasien nach Afrika.

     

    Weitere Informationen:

    Edoardo Dallanave
    Tel.: 0421-218-65313
    e-Mail: edoardo@uni-bremen.de
    https://www.nature.com/articles/s41598-021-98618-0