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    2022-01-19
    Autor/in: Dr. Ulrike Wolf-Brozio

    Tag des Gedenkens: Geowissenschaften in der NS-Zeit

    Dies Academicus am 27.01.2022 ab 16 Uhr

    Jährlich findet in Deutschland am 27. Januar der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus statt. An der Universität Bremen organisiert im jährlichen Wechsel immer einer der zwölf Fachbereiche die zentrale Gedenkveranstaltung – in diesem Jahr sind es die Geowissenschaften. Damit möglichst viele Studierende und Mitarbeitende teilnehmen können, ist der Tag nachmittags ein Dies Academicus, an dem keine Lehrveranstaltungen stattfinden.

    Den ersten Vortrag mit dem Titel „Zwischen zwei Weltkriegen: Internationale Expeditionen für die Gemeinschaft“ wird Professorin Antje Boetius, Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) und Professorin am Fachbereich Geowissenschaften der Universität Bremen, halten. Die Geschichte der Polar- und Meeresforschung ist eine Geschichte internationaler Kooperation, aber auch von Wettbewerb um Präsenz, Wissensvorsprung und technischem Fortschritt. Der Vortrag beleuchtet Hintergründe zu den von der Notgemeinschaft (Vorgängerorganisation der DFG) geförderten drei deutschen Expeditionen zwischen zwei Weltkriegen in der von ökonomischer, sozialer und politischer Unsicherheit gekennzeichneten Weimarer Republik: Die Alai-Pamir-Expedition zur Erkundung von Gletschern, die Meteor Expedition zur Vermessung des Atlantiks und Alfred Wegeners Grönland Expedition. Briefe und Bilder der Zeit werfen ein Licht auf die schwierige Situation von Wissenschaft und Wissenschaftsförderung im Versuch, zu internationaler Anerkennung zu kommen. Die erhebliche Verstrickung der Expeditionen mit Militär und Politik sowie die Abhängigkeiten in der Wissenschaftsförderung sollen nicht in Vergessenheit geraten.

    Professor Andreas Hoppe, Geologe und Leiter des Geologenarchivs und Honorarprofessor der Universität Freiburg, beleuchtet im zweiten Vortrag jüdische Geolog:innen im Deutschland des 20. Jahrhunderts. Ausgehend von einer Behauptung von Hans Stille, dass „Juden als Geologen nichts taugen“, wird ein kurzer Blick auf ihre tatsächliche Bedeutung für die Geowissenschaften geworfen. Es folgen beispielhaft Beschreibungen von Einzel-Schicksalen: Einer von ihnen musste als katholischer Patriot wegen eines jüdischen Großvaters emigrieren, kam ins nationalsozialistische Deutschland zurück und war nach dem Krieg ein erfolgreicher Hochschullehrer. Ein anderer wurde trotz Emigration von der SS in Jugoslawien verhaftet und in Buchenwald ermordet.

    Die Veranstaltung findet via Zoom-Webinar statt. Zugang erhalten Sie am Tag der Veranstaltung über folgenden Link: https://uni-bremen.zoom.us/j/97624454456?pwd=Z2MrRWRUNUliR011Z0ZOTWpXTHRaUT09Kenncode: 2468