Welche tektonischen Strukturen verbirgt das Eis der Ostantarktis im Dronning Maud Land?


Dienstag, 20. Mai 2014 - 08:15 Uhr
Geo-Gebäude, Raum 1550 (Hörsaal)
Matthias Mieth

Die Antarktis ist mit einer größtenteils mehreren kilometerdicken Eisschicht bedeckt und verhindert eine flächendeckende geologische Kartierung. Diese ist nur an wenigen Bergspitzen, die zumeist am Rande des Kontinents aus dem Eis herausragen, möglich. Über den vollständig bedeckten inneren Teil der Ostantarktis ist nur sehr wenig bekannt. Ein großes Gebiet davon, das Dronning Maud Land (20° W bis 44.6° E), wurde in den letzten zwei Jahrzehnten vom Alfred-Wegener-Institut systematisch (20°W bis 28°E) mittels flugzeuggestützten geophysikalischen Methoden vermessen. Die Zusammenführung der Daten der verschiedenen Messkampagnen lässt eine auffällige ausgedehnte geophysikalische Provinz im südöstlichen Dronning Maud Land erkennen, deren magnetisches, sowie gravimetrisches Anomalienmuster sich deutlich von dem des westlichen und südwestlichen Dronning Maud Landes unterscheidet und die Vermutung nahe legt, dass dies die Signaturen eines eigenständigen tektonischen Krustenbereichs sind. Diese südöstliche Dronning Maud Land Provinz, die sich durch ein schwach magnetisches Anomalienfeld und ausgeprägten negativen Bouguer Schwerewerten kennzeichnet, wird im Nordwesten von der Forster Magnetischen Anomalie begrenzt, welche möglicherweise eine tektonische Hauptstörungszone markiert, die bei der Kollision von Gondwana gebildet wurde. Im Nordosten wird die südöstliche Dronning Maud Land Provinz von dem komplexen magnetischen Anomalienmuster des Sør Rondane Gebirges flankiert, während das südliche und südwestliche Dronning Maud Land von magnetischen Anomalien mit hohen Amplituden und großen Wellenlängen, sowie deutlich höheren Bouguer Schwerewerten geprägt ist. Die Schlussfolgerung der Resultate weist die Vermutung über eine durchgehende Störungszone – der Ost-West Gondwana Sutur – von der Shackleton Range im Westen bis zur Lützow Holm Bay im Osten durch das südliche und südöstliche Dronning Maud Land zurück und erweitert die Hypothese, dass die Ostantarktis nicht im Wesentlichen aus einem stabilen Kraton besteht, sondern vielmehr ein Mosaik verschiedener krustaler Fragmente darstellt, das sich aus verschiedenen archaischen Kratonen sowie proterozoischen und paläozoischen Kollisionszonen besteht.


Links zu wissenschaftlichen Publikationen:
• Mieth, M. and Jokat, W., 2014. New aeromagnetic view of the geological fabric of southern Dronning Maud Land and Coats Land, East Antarctica. Gondwana Research 25, 358-367. http://dx.doi.org/10.1016/j.gr.2013.04.003
• Mieth, M., Jacobs, J., Ruppel, A., Damaske, D., Läufer, A., Jokat, W., 2014. New detailed aeromagnetic and geological data of eastern Dronning Maud Land: Implications for refining the tectonic and structural framework of Sør Rondane, East Antarctica. Precambrian Research 245, 174-185. http://dx.doi.org/10.1016/j.precamres.2014.02.009




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